Wärmepumpe und Photovoltaik: So passt die Kombination zusammen
Eigener Solarstrom ist meist deutlich günstiger als Netzstrom – da liegt die Kombination mit der Wärmepumpe nahe. Doch im Winter, wenn am meisten geheizt wird, scheint die Sonne am wenigsten. Wie Sie das Beste aus beidem herausholen.
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Die ehrliche Ausgangslage
PV und Wärmepumpe passen gut zusammen, aber nicht so perfekt, wie Werbung es oft darstellt:
- Der Vorteil: Selbst erzeugter Solarstrom ist meist deutlich günstiger als Netzstrom. Die Wärmepumpe kann ihn nutzen – vor allem für Warmwasser und in der Übergangszeit.
- Die Grenze: Im Winter, wenn der Wärmebedarf am höchsten ist, liefert PV am wenigsten. Der Anteil des Heizstroms, den Solarstrom deckt, fällt deshalb deutlich niedriger aus als beim Haushaltsstrom (qualitative Aussage, stark anlagenabhängig).
Fraunhofer ISE hat die Kombination von Wärmepumpe, PV und Batterie im Feldtest mit Blick auf Eigenverbrauch und Netzwirkung untersucht.[16]
Intelligente Steuerung: Wärme als Speicher
Der wirksamste Hebel ist oft nicht ein größerer Akku, sondern eine kluge Regelung. Über SG-Ready- oder Energiemanagement-Schnittstellen kann die Wärmepumpe bei PV-Überschuss den Warmwasser- oder Pufferspeicher etwas höher aufheizen und so Energie thermisch speichern. Das ist häufig günstiger als zusätzliche Batteriekapazität. Förderfähige Wärmepumpen müssen ohnehin Schnittstellen für einen netzdienlichen Betrieb besitzen.[5][17]
Praktische Stellschrauben:
- Warmwasser in die Mittagsstunden legen.
- Leichte Überhöhung von Raum- oder Speichertemperatur bei Sonnenschein – ohne die Effizienz durch zu hohe Temperaturen zu ruinieren.
- Heizstab nicht als „Solarstrom-Verbraucher“ missbrauchen: Er wandelt eine Kilowattstunde nur in eine Kilowattstunde Wärme um; die Wärmepumpe macht ein Mehrfaches daraus.
Batteriespeicher: ja oder nein?
Batteriespeicher erhöhen den Eigenverbrauch weiter, rechnen sich aber nicht immer. Sie verschieben Solarstrom vom Tag in den Abend – im Winter gibt es aber oft gar keinen Überschuss zu verschieben. Ob ein Speicher sinnvoll ist, hängt vom gesamten Haushaltsverbrauch, einer eventuellen Wallbox und den Preisen ab. Lassen Sie sich eine Rechnung mit und ohne Speicher zeigen.
Das Zählerkonzept: oft vergessen, oft teuer
Wer PV, Wärmepumpe mit separatem Zähler (Modul 2 nach § 14a EnWG) und eventuell eine Wallbox kombiniert, braucht ein sauber geplantes Zählerkonzept. Genau dieser Punkt fehlte laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in rund 90 % der Wärmepumpen-Angebote.[10] Ohne Planung drohen Nachträge beim Zählerschrank oder ein Messkonzept, das den günstigen Wärmepumpentarif ausschließt.
Klären Sie mit dem Elektrofachbetrieb:
- Wie wird PV-Strom auf Haushalt und Wärmepumpe verteilt?
- Lohnt sich Modul 2 trotz Eigenverbrauch – oder ist Modul 1 plus gemeinsamer Zähler sinnvoller?
- Ist ein intelligentes Messsystem für Modul 3 oder einen dynamischen Tarif vorgesehen?
Mehr zu den Modulen unter Stromtarife.
Dynamische Tarife als Ergänzung
Im Winter, wenn PV wenig liefert, können dynamische Stromtarife zusammen mit Modul 3 zusätzliche Einsparungen bringen, indem die Wärmepumpe in günstigen Stunden läuft. Voraussetzung sind ein intelligentes Messsystem und eine passende Steuerung.[27]
Reihenfolge: erst Wärmepumpe oder erst PV?
Es gibt keine feste Regel. Sinnvoll ist, beides gemeinsam zu planen – auch wenn die Umsetzung zeitversetzt erfolgt. Dann passen Zählerschrank, Schnittstellen und Leitungswege von Anfang an. Für die Wärmepumpe gilt: Förderantrag vor Arbeitsbeginn.[1]
Checkliste für das kombinierte Angebot
| Frage an den Anbieter | Warum wichtig |
|---|---|
| Hat die Wärmepumpe eine SG-Ready- oder vergleichbare Schnittstelle? | Voraussetzung für Überschussnutzung; für die Förderung ohnehin nötig[5] |
| Welcher Energiemanager steuert PV, Speicher und Wärmepumpe? | Systeme verschiedener Hersteller sprechen nicht immer miteinander |
| Ist das Zählerkonzept schriftlich im Angebot? | fehlt in rund 90 % der Wärmepumpen-Angebote[10] |
| Wird Modul 1, 2 oder 3 nach § 14a geplant? | beeinflusst Netzentgelte und Zählerplatz[27] |
| Ist ein intelligentes Messsystem vorgesehen? | nötig für Modul 3 und dynamische Tarife[27] |
| Gibt es eine Rechnung mit und ohne Batteriespeicher? | Speicher rechnen sich nicht immer |
| Wird die Wärmepumpen-Förderung separat und rechtzeitig beantragt? | KfW-Antrag muss vor Arbeitsbeginn gestellt sein[1] |
Typische Fehler bei der Kombination
- Zu hohe Erwartungen an den Winter: Den Heizstrom im Januar deckt PV nur zu einem kleinen Teil.
- Heizstab als PV-Verbraucher: Er macht aus einer Kilowattstunde nur eine Kilowattstunde Wärme – die Wärmepumpe ein Mehrfaches.
- Zu hohe Speichertemperaturen: Wer bei Sonne den Speicher stark überheizt, verschlechtert die Effizienz der Wärmepumpe. Moderate Überhöhung reicht meist.
- Zwei Anbieter, keine Abstimmung: Wenn PV- und Wärmepumpenbetrieb getrennt planen, fehlen oft Schnittstelle oder Zählerplatz.
Häufige Fragen
Lohnt sich PV zusätzlich zur Wärmepumpe?
Oft ja, weil Solarstrom günstiger als Netzstrom ist. Im Winter ist der Ertrag aber gering; eine intelligente Steuerung erhöht den Nutzen.
Kann die Wärmepumpe im Winter mit Solarstrom laufen?
Nur zu einem kleinen Teil. Der Großteil des Heizstroms im Winter kommt aus dem Netz, deshalb bleibt der Tarif wichtig.
Was ist SG Ready?
Eine Schnittstelle, über die die Wärmepumpe Signale etwa von einem Energiemanager erhält, um bei PV-Überschuss mehr Wärme zu erzeugen und zu speichern.