Wärmepumpen-Leitfaden

Wärmepumpen-Arten im Vergleich: Luft-Wasser, Sole-Wasser und Wasser-Wasser

Luft, Erde oder Grundwasser – die Wahl der Wärmequelle entscheidet über Investition, Effizienz und Genehmigungsaufwand. Dieser Vergleich zeigt, welche Lösung zu welchem Grundstück passt.

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Bohrgerät für eine Erdwärmesonde im Garten eines Einfamilienhauses, zwei Arbeiter in Warnkleidung

Die Wärmequellen auf einen Blick

Luft, Erdreich und Grundwasser als Wärmequelle im Vergleich – eigene Darstellung
Luft, Erdreich und Grundwasser als Wärmequelle im Vergleich – eigene Darstellung
Art Wärmequelle Stärken Schwächen
Luft-Wasser Außenluft günstigste Vollheizung, kaum Erdarbeiten, am weitesten verbreitet Effizienz sinkt bei Frost, Außengerät erzeugt Schall
Sole-Wasser (Erdwärme) Erdreich über Sonde oder Kollektor hohe, stabile Effizienz, leise, passive Kühlung möglich Bohrung oder Kollektorfläche, höhere Kosten, Genehmigung
Wasser-Wasser Grundwasser über zwei Brunnen sehr hohe Quelltemperatur, sehr effizient wasserrechtliche Erlaubnis, Wasserqualität und -menge müssen passen, Brunnenwartung
Luft-Luft Außenluft, Abgabe an Raumluft niedrige Kosten, kann kühlen meist kein Warmwasser, Wärme nur in Räumen mit Innengerät
Hybrid Wärmepumpe + Kessel Kessel übernimmt Spitzenlast zwei Systeme, fossiler Anteil mit Kostenrisiko

Luft-Wasser-Wärmepumpe: der Standard

Mit großem Abstand die häufigste Lösung im Einfamilienhaus. Ein Außengerät saugt mit einem Ventilator Außenluft an und entzieht ihr Wärme. Im Fraunhofer-Feldtest erreichten 49 Außenluft-Wärmepumpen in Bestandsgebäuden Jahresarbeitszahlen von 2,6 bis 4,9, im Mittel 3,4.[16] Die typischen Kosten im Einfamilienhaus liegen laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bei 25.000 bis 35.000 Euro inklusive Einbau.[9]

Monoblock oder Split?

  • Monoblock: Der gesamte Kältekreis sitzt in einem Gerät, meist außen. Zum Haus führen nur Wasserleitungen. Vorteil: Am Kältekreis muss bei der Montage nicht gearbeitet werden.
  • Split: Außen- und Innengerät sind über Kältemittelleitungen verbunden. Für die Verbindung braucht es einen zertifizierten Kälte-Fachbetrieb.

Für beide Bauarten gelten nach der EU-F-Gase-Verordnung schrittweise Verbote fluorierter Kältemittel: Bei Monoblock-Geräten bis 12 kW sind ab 01.01.2027 keine F-Gase mit einem Treibhauspotenzial (GWP) ab 150 mehr erlaubt, ab 2032 gar keine F-Gase mehr; bei Split-Geräten bis 12 kW gilt ab 2027 ebenfalls die GWP-150-Grenze (mit Ausnahmen bei Sicherheitsanforderungen) und ab 2035 das vollständige Verbot.[17][19]

Worauf Sie achten sollten

Schallleistungspegel, Aufstellort, Abtauverhalten und das Kältemittel. Das Bayerische Landesamt für Umwelt empfiehlt für Einfamilienhäuser Geräte mit höchstens 50 dB(A) Schallleistung.[29] Mehr im Artikel Lautstärke und Abstand.

Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme)

Sie nutzt die über das Jahr relativ konstante Temperatur im Untergrund. Dadurch ist die Quelltemperatur im Winter höher als bei Außenluft – und die Effizienz entsprechend besser. Im Feldtest erreichten 13 Anlagen mit Erdwärmesonden eine JAZ von 3,6 bis 5,4.[16]

Erdsonde oder Erdkollektor

  • Erdsonden sind senkrechte Bohrungen, meist einige Dutzend bis über hundert Meter tief. Sie brauchen wenig Grundstücksfläche. Die Bohrung kostet laut Verbraucherzentrale etwa 10.000 bis 20.000 Euro bzw. rund 50 bis 100 Euro je Bohrmeter.[9]
  • Erdkollektoren sind horizontale Rohrschlangen in etwa 1 bis 1,5 m Tiefe. Sie brauchen viel freie, unversiegelte Fläche, aber keine Tiefbohrung.

Erdsonden und -kollektoren können 40 Jahre und länger betrieben werden – also deutlich länger als die Wärmepumpe selbst.[9]

Genehmigung

Für Erdwärmebohrungen ist in der Regel eine wasserrechtliche Erlaubnis der Unteren Wasserbehörde nötig, bei größeren Tiefen zusätzlich eine bergrechtliche Anzeige. Die Details regeln die Bundesländer; in Wasserschutzgebieten können Bohrungen eingeschränkt oder verboten sein. Klären Sie das früh mit der Behörde oder dem Bohrunternehmen.

Bonus: passive Kühlung

Weil das Erdreich im Sommer kühler ist als die Raumluft, lässt sich bei vielen Sole-Anlagen mit Fußboden- oder Flächenheizung „passiv“ kühlen – nur mit Umwälzpumpe, ohne Verdichter.

Wasser-Wasser-Wärmepumpe (Grundwasser)

Sie entnimmt Grundwasser über einen Förderbrunnen, entzieht ihm Wärme und leitet es über einen Schluckbrunnen abgekühlt zurück. Grundwasser hat ganzjährig eine verhältnismäßig hohe Temperatur, deshalb ist dieses System sehr effizient. Voraussetzungen:

  • ausreichend Grundwasser in geeigneter Tiefe,
  • passende Wasserqualität (etwa geringe Gehalte an Eisen und Mangan, damit Brunnen und Wärmetauscher nicht verockern),
  • eine wasserrechtliche Erlaubnis,
  • regelmäßige Wartung der Brunnenanlage.

Meist wird vorab ein hydrogeologisches Gutachten oder ein Pumpversuch nötig. Wasser-Wasser-Anlagen sind deshalb eher etwas für Standorte mit gut bekanntem, oberflächennahem Grundwasser. Eine belastbare öffentliche Kostenspanne haben wir nicht gefunden; lassen Sie sich mehrere Angebote inklusive Brunnenbau und Gutachten machen.

Luft-Luft-Wärmepumpe

Diese Geräte kennt man als Klima-Split-Anlagen. Sie heizen (und kühlen) die Raumluft direkt. Sie passen besonders für Wohnungen mit Nachtspeicher- oder Gasetagenheizung, gut gedämmte Häuser oder als Ergänzung. Die KfW fördert Luft-Luft-Wärmepumpen, wenn sie überwiegend zum Heizen genutzt werden, und rechnet selbst ein Beispiel mit dem Ersatz einer Nachtstromspeicherheizung in einer Eigentumswohnung vor.[1] Vergleichsportale nennen für eine Split-Anlage etwa 11.000 bis 21.000 Euro (Schätzung, stark abhängig von der Zahl der Innengeräte).[36]

Hybrid-Wärmepumpe

Eine Wärmepumpe arbeitet mit einem Spitzenlastkessel zusammen. Die KfW fördert bei Hybrid-Systemen den Wärmepumpen-Anteil.[7] Nach dem GModG gilt die Bioanteil-Pflicht für den Gas- oder Ölteil als erfüllt, wenn die Wärmepumpe im Teillastpunkt A nach DIN EN 14825 mindestens 30 % der Leistung des Spitzenlasterzeugers erreicht, bei bivalent-alternativem Betrieb mindestens 40 %.[22] Sinnvoll kann ein Hybrid sein, wenn ein Haus (noch) sehr hohe Vorlauftemperaturen braucht oder ein relativ neuer Kessel weiter genutzt werden soll.

Brauchwasser-Wärmepumpe

Sie erwärmt nur das Trinkwasser, meist mit integriertem Speicher, und nutzt oft die Luft im Keller. Als Ergänzung zu PV beliebt, ersetzt sie aber keine Raumheizung. Gefördert wird sie laut BAFA mit, wenn sie zusammen mit einem förderfähigen Wärmeerzeuger eingebaut wird und keine Raumluft aus beheizten Zonen nutzt.[6]

Kältemittel: warum R290 zur Wahl wird

Natürliche Kältemittel wie Propan (R290) haben ein sehr geringes Treibhauspotenzial; laut Umweltbundesamt sind Propan-Geräte in Deutschland für alle Wärmequellen erhältlich.[17] Ab dem 01.01.2028 werden nur noch Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln gefördert.[17] Propan ist brennbar; die Geräte sind nach den einschlägigen Sicherheitsnormen gebaut, und der Hersteller gibt einen Schutzbereich vor, in dem keine Zündquellen, Kellerschächte oder Abläufe liegen dürfen. Ausführlich: Kältemittel R290 und F-Gase.

Entscheidungshilfe

  • Wenig Platz, begrenztes Budget: Luft-Wasser mit leisem Gerät und gut geplantem Aufstellort.
  • Großer Garten oder Neubau mit Flächenheizung: Sole-Wasser lohnt einen Vergleich – höhere Investition, niedrigere Stromkosten.
  • Bekanntes Grundwasser in geringer Tiefe: Wasser-Wasser prüfen lassen.
  • Wohnung mit Nachtspeicher: Luft-Luft.
  • Sehr hohe Vorlauftemperaturen, junger Kessel: Hybrid als Übergangslösung.

Einen neutralen Überblick, woran Sie gute Geräte erkennen, finden Sie unter Hersteller-Überblick.

Häufige Fragen

Was ist besser: Luft-Wasser oder Erdwärme?

Erdwärme ist effizienter (Feldtest: JAZ 3,6 bis 5,4 gegenüber im Mittel 3,4 bei Luft) und leiser, braucht aber eine Bohrung für etwa 10.000 bis 20.000 Euro und eine Erlaubnis. Luft ist günstiger und schneller umgesetzt.[16][9]

Brauche ich für eine Erdwärmepumpe eine Genehmigung?

In der Regel ja: eine wasserrechtliche Erlaubnis der Unteren Wasserbehörde, bei tiefen Bohrungen zusätzlich eine bergrechtliche Anzeige. Die Regeln unterscheiden sich je Bundesland.

Was ist der Unterschied zwischen Monoblock und Split?

Beim Monoblock sitzt der Kältekreis komplett in einem Gerät, zum Haus führen nur Wasserleitungen. Beim Split sind Außen- und Innengerät über Kältemittelleitungen verbunden.