Wärmepumpe im Altbau: Wann es funktioniert – und wie Sie es prüfen
„Unser Haus ist zu alt für eine Wärmepumpe“ – dieser Satz fällt oft. Messdaten aus echten Bestandsgebäuden zeichnen ein anderes Bild. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern die Temperatur, die Ihre Heizkörper an kalten Tagen brauchen.
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Das Wichtigste in Kürze
- Fraunhofer ISE hat 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern gemessen, mit Baujahren bis zurück ins Jahr 1826 und Sanierungszuständen von „unsaniert“ bis „vollsaniert“. Ein Zusammenhang zwischen Baualter und Jahresarbeitszahl wurde nicht festgestellt.[16]
- Ausschlaggebend war die benötigte Heizkreistemperatur – und die war über alle Baualtersklassen ähnlich.[16]
- Komplett dämmen ist nicht zwingend, senkt aber Heizlast, Gerätegröße und Kosten.[9]
- Der hydraulische Abgleich ist für Wärmepumpen laut Verbraucherzentrale „unumgänglich“ und bei der KfW Fördervoraussetzung.[12][1]
Was der Fraunhofer-Feldtest zeigt
Im Projekt „WP-QS im Bestand“ hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme Wärmepumpen in bewohnten Bestandsgebäuden über längere Zeit vermessen. Die Ergebnisse widerlegen mehrere verbreitete Annahmen:[16]
- Die 49 gemessenen Außenluft-Wärmepumpen erreichten Jahresarbeitszahlen von 2,6 bis 4,9, im Mittel 3,4.
- Die 13 Anlagen mit Erdwärmesonden kamen auf 3,6 bis 5,4.
- Viele Wärmepumpen waren bezogen auf den tatsächlichen Verbrauch überdimensioniert, und ein Teil schaltete zu häufig ein und aus.
- Wartung, richtige Parametrierung und hydraulische Optimierung konnten die Effizienz deutlich verbessern.
Warum funktionieren auch alte Häuser oft gut? Viele Altbauten wurden im Laufe der Jahrzehnte teilsaniert – neue Fenster, gedämmtes Dach – und haben gleichzeitig großzügig dimensionierte Heizkörper aus Zeiten, in denen man mit hohen Temperaturen rechnete. Dadurch kommen sie häufig mit niedrigeren Vorlauftemperaturen aus als gedacht.[16]
So testen Sie die Eignung selbst
Bevor Sie Geld in Planung investieren, können Sie mit drei einfachen Schritten eine erste Einschätzung gewinnen.
1. Der Wintertest mit der bestehenden Heizung
Senken Sie an kalten Tagen die Vorlauftemperatur Ihrer jetzigen Heizung schrittweise ab, etwa auf 50 bis 55 °C, und beobachten Sie, ob alle Räume warm werden (praktische Faustregel). Notieren Sie, welche Räume zuerst auskühlen – dort sitzen die Schwachstellen.
2. Den Verbrauch auswerten
Aus dem Gas- oder Ölverbrauch der letzten Jahre lässt sich die Heizlast überschlägig abschätzen. Das ersetzt keine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, liefert aber eine Größenordnung und schützt vor deutlich überdimensionierten Angeboten.
3. Schwachstellen gezielt beheben
Oft reicht es, einzelne zu kleine Heizkörper gegen größere oder Niedertemperatur-Heizkörper zu tauschen. Mehr dazu im Artikel Heizkörper oder Fußbodenheizung.
Muss ich vorher dämmen?
Nicht zwingend. Dämmung senkt aber die Heizlast. Die Wärmepumpe kann dann kleiner und günstiger ausfallen und mit niedrigeren Vorlauftemperaturen arbeiten. Die Verbraucherzentrale rät daher, vor der Auslegung über Dämmmaßnahmen nachzudenken, denn „je niedriger die Leistung ausfallen kann, desto günstiger wird die Anlage“.[9]
Sinnvoll ist eine Reihenfolge nach Wirkung und Kosten. Häufig lohnen sich diese Maßnahmen schneller als eine Komplettdämmung der Fassade (fachliche Einordnung, im Einzelfall prüfen):
- Oberste Geschossdecke dämmen,
- Kellerdecke dämmen,
- undichte Fenster tauschen oder abdichten,
- einzelne Heizkörper vergrößern.
Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) hilft bei der Priorisierung und bringt bei bestimmten BAFA-Einzelmaßnahmen einen Förderbonus von 5 %.[7]
Hydraulischer Abgleich: Pflicht und Effizienzhebel
Beim hydraulischen Abgleich wird das Heizsystem so eingestellt, dass jeder Heizkörper genau die Wassermenge erhält, die er braucht. Für die Wärmepumpe ist das besonders wichtig, weil sich nur so die Vorlauftemperatur so weit wie möglich absenken lässt. Laut Verbraucherzentrale ist der Abgleich „unumgänglich“.[12] Die KfW macht die Optimierung des gesamten Heizungsverteilsystems inklusive hydraulischem Abgleich zur Fördervoraussetzung.[1] In den von der Verbraucherzentrale ausgewerteten Angeboten kostete der Abgleich im Median rund 1.071 Euro.[11]
Welche Wärmepumpe passt zum Altbau?
- Luft-Wasser-Wärmepumpe: die häufigste Wahl, weil keine Erdarbeiten nötig sind. Wichtig sind ein geeigneter Aufstellort und ein leises Gerät – siehe Lautstärke und Abstand.
- Sole-Wasser-Wärmepumpe: effizienter und leiser, braucht aber Bohrung oder Kollektorfläche und eine Erlaubnis. Sinnvoll, wenn der Garten Platz bietet.
- Hybrid-Wärmepumpe: kann eine Option sein, wenn ein Haus (noch) sehr hohe Vorlauftemperaturen braucht oder ein relativ neuer Kessel weiter genutzt werden soll. Die KfW fördert den Wärmepumpen-Anteil.[7]
Den ausführlichen Vergleich finden Sie unter Wärmepumpen-Arten.
Typische Altbau-Fragen
Reicht die Leistung an sehr kalten Tagen?
Moderne Luft-Wärmepumpen arbeiten auch bei Minusgraden. Die Effizienz sinkt, bleibt aber über dem Niveau eines reinen Heizstabs. Ein gut ausgelegtes System nutzt den Heizstab nur an wenigen sehr kalten Tagen; häufiger Heizstab-Einsatz deutet eher auf Planungs- oder Einstellfehler hin (fachliche Einordnung; konkrete Einsatzgrenzen stehen im Herstellerdatenblatt).
Was ist mit dem Warmwasser?
Warmwasser braucht höhere Temperaturen als die Raumheizung und senkt daher die Jahresarbeitszahl etwas. Ein gut dimensionierter Speicher und sinnvolle Zeitfenster – etwa mit Solarstrom – helfen. Für den Legionellenschutz sind Einstellungen nötig, die der Fachbetrieb vornehmen sollte.
Wie sieht es mit dem Platz aus?
Benötigt werden Platz für das Außengerät (bei Luft-Wasser), für Speicher und Hydraulik im Haus sowie eventuell ein größerer Zählerschrank. Der frühere Öltank-Raum wird oft frei.
Häufige Fragen
Funktioniert eine Wärmepumpe im unsanierten Altbau?
Häufig ja. Im Fraunhofer-Feldtest gab es keinen Zusammenhang zwischen Baualter und Effizienz; entscheidend ist die benötigte Vorlauftemperatur.[16]
Muss ich vor dem Einbau dämmen?
Nicht zwingend. Dämmung senkt aber die Heizlast, sodass die Anlage kleiner und günstiger werden kann.[9]
Brauche ich eine Fußbodenheizung?
Nein. Wärmepumpen arbeiten auch mit Heizkörpern, besonders mit ausreichend großen. Oft genügt es, einzelne Heizkörper zu tauschen.[16][12]
Ist der hydraulische Abgleich Pflicht?
Für die KfW-Förderung ja: Die Optimierung des Heizungsverteilsystems inklusive hydraulischem Abgleich ist Voraussetzung.[1]